Neues Urheberrecht: Änderungen für Lehrende und Lernende

Am 01. März 2018 ist das neue Urheberrechts-Wissensgesellschafts-Gesetz (UrhWissG) in Kraft getreten. Es hat zum Ziel den aktuellen Erfordernissen der Wissensgesellschaft in Bezug auf die zunehmende Digitalisierung von Unterricht, Lehre und Wissenschaft Rechnung zu tragen und die zum Teil veralteten Regelungen zum Umgang mit urheberrechtlich geschützten Materialien zu modernisieren.

Das Gesetz ist zunächst bis 2023 befristet und soll nach vier Jahren durch die Bundesregierung evaluiert werden.

Was ändert sich durch das UrhWissG für Hochschulangehörige?

Das Kernstück des neuen UrhWissG bilden die §60a bis §60f. Inhaltlich ergeben sich daraus für Hochschulangehörige folgende Änderungen:

  • § 60a Abs. 1 UrhG regelt für den Unterricht bzw. die Lehre an Bildungseinrichtungen, dass „zu nicht-kommerziellen Zwecken bis zu 15 % eines veröffentlichten Werkes vervielfältigt, verbreitet, öffentlich zugänglich gemacht und in sonstiger Weise öffentlich wiedergegeben werden [dürfen]“.

  • Parallel zu § 60a Abs. 1 UrhG erlaubt § 60c Abs. 1 UrhG für die nicht-kommerzielle wissenschaftliche Forschung, dass bis zu 15 % eines Werkes vervielfältigt, verbreitet und öffentlich zugänglich gemacht werden darf. Für die eigene wissenschaftliche Forschung ist die Vervielfältigung von 75 % eines Werkes erlaubt.

  • Laut § 60a Abs. 2 sowie § 60c Abs. 3 UrhG dürfen „Abbildungen, einzelne Beiträge aus derselben Fachzeitschrift oder wissenschaftlichen Zeitschrift, sonstige Werke geringen Umfangs und vergriffene Werke […] vollständig genutzt werden“. Zeitungen und nicht-wissenschaftliche Zeitschriften (sog. Kioskzeitschriften) sind von dieser neuen Regelung jedoch ausgenommen. Dies bedeutet, dass Beiträge aus diesen beiden Werktypen nicht vollständig genutzt werden können. Stattdessen gelten für sie §§ 60a Abs. 1 und 60c Abs. 1 UrhG: Maximal 15 % eines Beitrages dürfen vervielfältigt und öffentlich zugänglich gemacht werden.

  • § 60d UrhG befasst sich mit dem Text und Data Mining und gestattet für die wissenschaftliche Forschung die automatisierte Auswertung urheberrechtlich geschützter Werke.

  • In § 60e UrhG werden die bisher an unterschiedlichsten Stellen geregelten Befugnisse in und für Bibliotheken zusammengefasst. Absatz 1 legt fest, unter welchen Voraussetzungen Bibliotheken etwas vervielfältigen dürfen. Die Absätze 2 und 3 befassen sich mit der erlaubten Verbreitung der Vervielfältigungen, der Absatz 4 mit der Zugänglichmachung an Terminals und der Absatz 5 mit dem Kopienversand auf Bestellung. Die neue gesetzliche Regelung des Kopienversands ermöglicht es, dass Bibliotheken künftig direkt an die Benutzer per E-Mail Vervielfältigungen von einzelnen Beiträgen aus Fachzeitschriften oder wissenschaftlichen Zeitschriften bzw. bis zu 10% eines Werkes übermitteln dürfen.

Quelle: https://www.ub.uni-bayreuth.de/de/digitale_bibliothek/lms/index.html

Eine tabellarische Übersicht über die wichtigsten Neuregelungen für Lehrende und Lernende finden Sie auch hier.

Welche Materialien dürfen in der Hochschullehre elektronisch zur Verfügung gestellt werden?

 

Tipp: In dem kurzen Video „Informationen zu § 60a UrhG“ (5:30 min) des E-Learning Academic Network e.V. (ELAN) wird nochmal anschaulich erklärt, welche Unterschiede sich mit dem neuen § 60a im Vergleich zum früheren §52a für Hochschulangehörige ergeben.

 

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